Mittwoch, 16. Dezember 2009

Nachtrag: Machupicchu und Abschied von Peru

Christina: Im Cafe Punchay in Cusco haben wir Andreas, Stefan und noch "Andreas 2" kennen gelernt und beschlossen, die 2-Tages-Tour nach Machupicchu über Stefan (und Simon) zu buchen und gemeinsam mit Andreas zu machen.
Am nächsten Morgen gings dann mit einem 16-Personen-Kleinbuis (die Rede war vorher von 8 bis 12 Personen gewesen) mit viel zu engen Sitzen für uns grosse Europäer los. Der Pass, über den es dann erst mal Richtung Dschungel ging (wir hatten die längere Fahrt durchs Grüne gebucht), war dann zum Glück doch keine 5600m hoch wie beschrieben, sondern nur 4200, so dass wir keinen Sauerstoff brauchten... (Und meine Aufregung in der Nacht davor umsonst war).
Angekommen in Santa Theresa (wohin man übrigens auch ganz toll selbst mit den Moppeds hätte fahren können) gabs erst mal Almuerzo in einem "Gourmet Restaurant". Und wie es sich für Gourmets gehört, waren alle Portionen im Miniaturformat.
Dann stellte sich unser äussert unmotivierter und muffeliger Guide vor: "Hola amigos usw." Von Andi und uns wurde er dann später nur noch "Locke, der Quotenperuaner" genannt. Mit dem Zug gings dann nach Aguas Calientes, wo wir zum Glück dann später einen netteren, englischsprachigen Guide zugeteilt bekamen. Unser Hotel war genauso heruntergekommen, wie wir es irgendwie schon erwartet hatten (die Tour war bisher eben schon etwas anders verlaufen als geplant). Die Bettlaken waren nicht frisch, aber ein Bett war immerhin fleckenfrei. Immerhin wollten wir sowieso nur 5 Stunden oder so schlafen, denn um 4 Uhr nachts war bereits Abmarsch. Zu Fuss ging es hoch nach Machupicchu. Die 1,5 Stunden Treppensteigen im Morgengrauen waren echt anstrengend, haben sich aber echt gelohnt. (An alle Kollegen: Bitte meine Wiederholungsfehler nicht anstreichen, die Alex die ganze Zeit bemängelt, immerhin ist es schon gleich halb zehn Abends nach einem anstrengenden Tag).
Unterwegs trafen wir noch Christoph den schweizer Goth-Metaller, der dank Höhentraining in Quito wesentlich fitter war als wir. Genauso wie Paul, der Rentner aus Oslo, der uns auch eiskalt stehen lassen hätte können - wenn er gewollt hätte. (genug Konjunktive).

Andreas, Paul und Christoph

Alex: Warum hat es sich eigentlich gelohnt so früh aufzustehen und Treppen zu steigen?
  1. Natürlich um Machupicchu schon morgens zu sehen und etwas mehr Zeit auf dieser grossen Anlage zu haben.
  2. Um vor dem faulen Touristenpack, dass um 6 Uhr mit dem Bus hochkommt an der Kasse zu stehen.
  3. Um vor den ganzen Tagesausflüglern, die um 10 Uhr einströmen, noch etwas Ruhe zu haben.
Das Wetter in Machupicchu war anfangs noch sehr nebelig, was dem Ganzen irgendwie eine mystische Athmosphäre verlieh, so dass die Führung mit unserem tollen Guide Alex, nicht nur wegen seines vollen Körpereinsatzes beim Gestikulieren und seiner guten Laune, wirklich interessant war. Er erzählte uns von den Inkas, die die Stadt verlassen und die Zugangswege zerstört hatten, um die Stadt vor den Spaniern zu schützen (was auch 400 Jahre lang gelang) und vom Entdecker Hiram Bingham der MachuPicchu dann Anfang des 20 Jahrhunderts leerräumte. Machupicchu war übrigens nie völlig fertig gestellt worden (nur ca. 80 Prozent). In der Stadt selbst wohnten nur ca 500 Menschen der Oberschicht. Andere durften selbst nach langer Pilgerreise nicht durch das Eingangstor und mussten im "Hostel" davor übernachten. An der Anlage arbeiteten aber um die 2000 Menschen (keine Sklaven, sondern bezahlte Arbeiter) mit einer ähnlichen Technik wie einst die Ägypter. Neben dem Eingangstor zeigte uns Alex unter anderem auch den Sonnen- und den Wassertempel, die "3 Fenster", eine alte Felsminiatur von MachuPicchu, den Tempel der Pachamama, die Schule, das Klo vom 9. Inka Pachacuti Yupanki (das einzige in der ganzen Anlage), die Terrassen, Intiwatna (Übersetzt Quechua: "der Ort an dem die Sonne angebunden wird", ein Stein der bei Werbeaufnahmen vor einigen Jahren beschädigt wurde) und noch einiges mehr.

Machupicchu

Schliesslich verzog sich langsam auch der Nebel und wir sind nach der Führung zuerst in Richtung Sonnentor hochgelaufen (da wir uns leicht verlaufen haben und die Inkabrücke nicht fanden) . Wir sind zwar nicht ganz hochgelaufen, doch auch von unterwegs bot sich ein wunderschöner Blick auf die Ruinen. Danach wollten wir endlich auf den Gipfel des Waynapicchu (auf der anderen Seite der Ruinen, ebenfalls wieder 800 Höhenmeter). Mittlerweile tat mein linkes Knie, bzw. ein Muskel, der die Lust am Laufen verlor schon einigermassen weh. Trotzdem habe ich mich mit Christina über steile Treppen, durch enge Höhlen und über Leitern hochgequält... Und es hat sich gelohnt. Einzig die peruanische Airforce gönnte mir meinen Triumph nicht und versuchte mich mit ihrer Armada riesiger Stechfliegen zu vertreiben (was ihr auch gelang). Vor dem Abstieg hatten wir schon etwas Bammel, doch auf den Bildern sieht er etwas schlimmer aus, als er tatsächlich ist. Mit richtiger Höhenangst kann man sich den Gang zum Waynapicchu dennoch sparen.

Abstieg vom Waynapicchu

Nach dem schnellen und für mich schmerzhaften (Knie wurde immer schlimmer) Abstieg ging es schnell zum Eingang, wo Andreas auf uns wartete und wir den nächsten Bus nach Aguas Calientes nahmen. Um 2 Uhr ging nämlich auch schon unser Zug (diesmal Luxuszug) zurück nach Oyantaytambo. Eigentlich sollten wir dort von einem Taxi abgeholt werden. Dieses liess sich aber nicht blicken weswegen wir kurzerhand ein eigenes Taxi nach Cusco nahmen.

Schulkinder auf dem Heimweg

Christina: Wegen dieser Patzer bei der Tour-Organisation bekamen wir als Entschädigung von Stefan und Simon am nächsten Tag eine kostenlose Tour nach Maras und Moray mit eigenem Chauffeur. Der Ausflug war echt schön, so dass Andreas und wir wieder besänftigt waren. Nur das Coca-Bier hilft zwar gegen alles Schlechte und ist für alles Gute gut, doch schmecken tut es gar nicht!

Lecker Coca-Bier

Alex: Dann kam das eigentliche Highlight in Cusco: frische Thüringer Bratwürste - selbst gegrillt: lecker, auch wen der Grill zu wünschen übrig liess. Danach ging es dann ins Nachtleben von Cusco, das mit schlechter Musik glänzte, so dass unser einziges Ziel freie Getränke waren (und Christina immer wieder beim DJ zu finden war um ihn davon zu überzeugen bessere Musik aufzulegen: Mässiger Erfolg, immerhin ein Mal AC/DC!). Die Nacht schlug sich bei uns am nächsten Tag in Unlust und Kopfschmerzen nieder. Immerhin konnten wir noch sehen nach dem billigen Fusel, den Chrissa organisierte. Also wurde es nichts mit schrauben, Blog schreiben und so weiter. Wenigstens schaffte ich es dann um 4 noch zum Deutschen Konsulat, wo es einen kleinen Weihnachtsmarkt mit Christbaum, Glühwein und natürlich wieder frischen Thüringer Bratwürsten gab. Diesmal war der Meister persönlich am Grill, so dass die Würste noch besser schmeckten. Wirklich fit war ich aber auch nicht: schnell noch mal auf den Schoss vom Weihnachtsmann und dann ab in die Heia...

Peter und seine thüringischen Bratwürste

Tags darauf fuhren wir dann in Richtung Puno zur Bolivianischen Grenze. Auf dem Weg hielten wir so gut wie nicht an, da wir es genossen endlich wieder unterwegs zu sein. Auch Pachamama war uns hold und obwohl es links und rechts von uns regnete und stürmte, war über uns doch immer ein blauer Streifen schönen Wetters.

In Puno haben wir unsere Moppeds dann in der Lobby vom Hotel Europa abgestellt und den Portier dazu überredet auch noch die KLR von einem australischen Päarchen auch noch mit aufzunehmen. Eigentlich wollte er das nicht, da nun die Lobby ziemlich voll mit Motorrädern war. Mit den beiden haben wir uns am nächsten Tag zum Hafen aufgemacht. Da uns die im Hotel angebotene Tour zu den schwimmenden Inseln zu teuer erschien (25 Sol p.P.), versuchten wir unser Glück direkt bei den Booten. Mit Erfolg: 15 Sol p.P. (Rabatt und Studentenpreis für alle)!

Schwimmende Inseln

Um kurz nach 9 ging es bei besten Wetter mit dem Boot los über den ruhigen Titicaca-See ("Pumastein-See"). Bei den schwimmenden Inseln handelt es sich um Inseln, die aus Wurzeln und Schilf zusammen geschustert werden. Früher bauten und wohnten die Urus auf diesen Inseln und konnten sich so auch gegen die mächtigen Inka behaupten. Heute leben immernoch Menschen auf solchen Inseln, wobei der Hauptzweck der Tourismus ist und viele zum Teil auch eine Wohnung an der Ufer haben. Trotzdem sind die schwimmenden Inseln in Wirklichkeit eine kleine Stadt, in der es sogar eine Schule und andere öffentliche Gebäude gibt. Allerdings muss diese Stadt auch ständig renoviert werden, da die Wurzelblöcke nur ein paar Jahre ihre Schwimmfähigkeit behalten und das Schilf sogar alle 6 Monate erneuert werden muss. Obwohl der Motor unseres Bootes auf der Rückfahrt streikte und dann ausfiel, haben wir es Dank der Reparaturkünste der peruanischen Crew dann doch wieder zurück nach Puno geschafft.
Am Titicaca-See entlang ging es noch am selben Tag weiter zur bolivianischen Grenze, die wir innerhalb von 15 Minuten (Ausreise Peru wir + Motorräder und Einreise Bolivien wir + Motorräder) passierten...

Die zwei Aussies

Dienstag, 8. Dezember 2009

Nachtrag: Von Lima nach Cusco

Alex: Weiter ging es erstmal in Richtung Nasca: "Mal sehen, wie weit wir kommen...".
Da wir vom Süden von Lima starteten, hatten wir zum Glück das schlimmste Stück der Panamericana schon hinter uns und sind gut voran gekommen. Unterwegs haben wir auch immer mal wieder Reisende auf Motorrädern gesehen, die entweder gerade Pause machten (eine Gruppe von Harleys) oder uns entgegen kamen. Angehalten haben wir diesmal jedoch nicht (zusammen mit Guido hatten wir auf der Strecke nach Chimbote angehalten und uns kurz mit einer Gruppe Franzosen unterhalten: in Spanfranzenglisch).
Das einzige was uns kurz ausgebremst hat, war ein kleiner "Verfahrer", als wir auf der noch nicht zu Ende gestellten Strecke weiterfuhren, bis eben Ende war. (Wir hatten uns schon gewundert, dass wirklich niemand hier fährt!).
Da ich jetzt mit den Reifen einen ziemlich "dicken" Sozius und weniger Platz auf der Alpi hatte, tat mir jedoch der Hintern schon nach kurzer Zeit ziemlich weh. 40km vor Nasca wollte ich dann eigentlich anhalten, schliesslich sind wir das kurze Stück aber auch noch gefahren (was auch die bessere Entscheidung war, obwohl ich das in dem Moment nicht ganz einsehen wollte...).

Nasca

In Nasca kamen dann auch gleich nachdem wir angehalten hatten die ersten Schlepper an um uns einen Flug über die Linien und oder ein Hotel anzudrehen. Da wir keine Lust hatten selbst nachzuforschen, haben wir dann auch einen Flug für den nächsten morgen (8 Uhr) gebucht. Ein günstiges Hostel hatten wir schon selbst gefunden.

Unser Flugzeug über die Linien

Christina: Der Flug über die Linien war für mich nach dem Äquator das nächste seit längerem geplante Highlight der Reise. Dementsprechend euphorisch bin ich dann auch in die kleine Chessna-Maschine eingestiegen.. O.k., zugegeben: Ein bisschen mulmig war mir schon.
Dann ging´s auf die Startbahn... und... Vollgas und wir hoben ab.
Für mich war der Flug weniger schlimm als ich mir vorgestellt hatte. Wir flogen etwa eine halbe Stund in einem grossen kreis über das Gebiet, wobei der Pilot um jede Figur, die wir anflogen, einmal rechtsrum und einmal linksrum kreiste, so dass jeder die Linien gut sehen konnte. Selbstverständlich machte ich unzáhlige Fotos. Da Alex dann aber bei der dritten Figur den Fotoapparat nicht mehr anrührte, obwohl er die Chance auf ein paar gute Schnappschüsse hatte, wurde ich stutzig... Es stellte sich heraus, dass ihm die Luftlöcher und das Rumkreisen in der Chessna ziemlich zugesetzt hatten und ihm schlecht war. Der Ärmste konnte dann - im Gegensatz zu mir - den Flug nicht mehr wirklich geniessen und war froh, dass es die schöne, mit den Nasca-Linien bedruckte Plastiktüte vor ihm im Sitz gab. Und das, obwohl wir das Frühstück in weiser Voraussicht ausfallen gelassen hatten.

Kolibri

Für mich war der Flug alles in allem echt beeindruckend, auch so insgesamt der Blick aus dem Flugzeug heraus über die Landschaft, die Panamericana usw.
Daran konnte auch der Blick vom Mirador an der Panamericana am nächsten Tag nicht wirklich heranreichen.. Allerdings aus der Nähe konnte man dann ganz gut erkennen, dass die Linien tatsächlich nur dadurch zustandekamen, dass man die dunklen Steine, die überall auf dem hellen Wüstenboden herumliegen, auf den Linien zur Seite geräumt hat. Da es in dieser Wüste eigentlich nie regnet und die bodennahe Hitze eine Art Schutzschicht bildet, die auch vor dem Wind schützt, haben sich die Linien (und auch Reifenspuren von vor ca 100 Jahren) über so lange Zeit gehalten.

Alpi in der Wüste bei Cuhuachi

Alex: In Nasca gibt es zum Glück auch noch einiges zu sehen, ohne dass man gleich abheben muss. Und so haben wir uns auf der Alpi auch noch die Nekropolis von Chauchilla und die Pyramiden von Cahuachi angeschaut. Letztere waren aber wenig sehenswert, was vielleicht auch erklärt, warum mitten in der Wüste das Wärterhäuschen leer war und ausser uns niemand dort war. Die Fahrt durch die Wüste hat jedoch trotz der Hitze und der leichten Dehydrierungsmerkmale, die wir beide (trotz Wasserkonsums) zeigten, irgendwie Spass gemacht.
Sehenswert und irgendwie auch ein bisschen gruselig war hingegen das Gräberfeld von Chauchilla. Hier wurden die Toten der Nascakultur in Stoff eingewickelt und zusammen mit einigen Grabbeigaben einfach in die Wüste gesetzt. Wegen der bereits erwähnten klimatischen Bedingungen sassen sie ein paar tausend Jahre später immer noch dort, als Archäologen vorbei kamen. Diese haben ihnen dann ein kleines Museum gebaut und einige überdachte Mulden ausgehoben, in denen die Mumien gut geschützt "bewundert" werden können. Als Chistina an das erste Loch herantrat und die Mumien sah ist sie ziemlich erschrocken, obwohl ja klar war, wer auf sie wartet...

Mumien in der Nekropolis bei Nazca

Wieder zurück in der Stadt musste Christina sich dann erstmal ein bisschen hinlegen und vor allem viel Trinken, weil ihr Kreislauf nicht mehr so wollte nach den ganzen Strapazen. Dann erreichte uns noch die Nachricht, dass King vermittelt wurde.

Victor-Manuel vom Postamt in Nasca

Nachdem wir morgens dann schnell "bei Vincent-Manuel" mein 80 Euro billiges Postpaket aufgegeben haben, ging es dann mit mehr oder weniger Elan weiter in Richtung Puquio.
Von der heissen Wüste in der sogar die Kakteen vertrocknen (nein, das passiert nicht nur in meinem Zimmer!) ging es hinauf in die verregneten und kühlen Berge auf ca. 3500m. Das war wirklich hart, besonders, da ich mein Visier noch nicht repariert hatte und somit den Regen direkt ins Gesicht bekam.
Christina: Auch am nächsten Tag gab es keine Wetterbesserung. Obwohl es am früheren morgen noch sonnog gewesen war, fielen kurz vor unserer Abfahrt die ersten Tropfen, so dass wir die Regenklamotten gleich schon anzogen. Gute Idee, denn in den Bergen auf 4000 m kann es auf dem Motorradganz schön kalt werden, wenn es regnet. Als wir uns unserem bisher höchsten Pass bzw. Hochebene von ca. 4500m Höhe näherten, ging der Regen dann in stattliche Hagelkörner über und wir waren froh, als ein kleines Dorf mit "Restaurant" auftauchte. Das Restaurant war eine Lehmhütte von ca. 3 x 5 Meter und ziemlich dunkel, weil es keine Fenster gab und die Tür wegen des Hagels ja geschlossen wurde... Es war auf jeden Fall ein einzigartiges Erlebnis, dort zu essen und die warme Suppe und der heisse Tee war das einzig Richtige in unserem unterkühlten Zustand. Das Schafsfleisch zum Hauptgang war etwas streng im Geschmack, aber wir haben trotzdem alles ordentlich aufgegessen. Alex hat sich dann noch mit den Kindern der Köchin angefreundet, dann kam aber die Sonne wieder zum Vorschein und wir mussten weiter...

Hagel auf 4500m

Alex: Nachdem uns auf dem weiteren Weg erst ein Gewitter einen Schrecken eingejagt hatte, kam dann doch endlich die Sonne wieder raus und unsere Schuhe und Handschuhe konnten wieder trocknen, um schliesslich direkt vor unserm Hostal in Chalhuanca von einem plötzlichen Platzregen doch wieder völlig durchnässt zu werden.
Für das letzte Wegstück nach Cusco hatten wir uns schon auf ähnliches gefasst gemacht. Aber wir hatten Glück und fuhren auf einer gut asphaltierten Strasse in einem Flusstal in der Sonne bis nach Abancay und schliesslich über einige kleine Pässe bis nach Cusco. Die Anstrengungen der letzten Tage hatten uns beiden dann aber doch ziemlich zugesetzt, so dass wir auf schnellstem Wege zum Quechua Hostal fuhren, das uns Barbara und Dirk empfohlen hatten. Dort war es auch wirklich schön. Es gab sogar eine Heizung und einen "Wachhund" für die Motorräder, dem wir dann mit Hilfe von Käse ein paar Kunststückchen beibrachten! Nachdem Christina mit voller Härte vom Fluch der Inka getroffen wurde und einen Tag komplett flachgelegen hatte, liessen wir die folgenden Tage etwas ruhiger angehen.

Bronco, der Lernfreudige "für ein Stück Käse mach ich alles"
Quechua Hostal ist TOP

Was wir so in Cusco und Umgebung erlebt haben, das erfahrt ihr dann beim nächsten und hoffentlich letzten Nachtrag...

Mehr Bilder gibt es wieder bei Flickr.

Samstag, 5. Dezember 2009

Nachtrag: Von Pacasmayo nach Lima

Es ist schon wieder einige Zeit vergangen seit unserem letzten Blogeintrag. Jedoch keineswegs weil wir nichts erlebt haben. Im Gegenteil: Es gibt viel zu berichten und am besten fange ich wohl am Anfang an:

Kurz nach unserem letzten Eintrag hat Guido, ein weiterer Motorradfahrer, in unser Hostel in Pacasmayo eingecheckt. Natürlich kommt man da sofort ins Gespräch ("Sind das eure?"). Guido ist mehr oder weniger spontan in Utah mit dem Motorrad aufgebrochen, um nach Brasilien zu fahren, wo er im Sommer einen Campingplatz führt. Bei seinem Vorhaben wurde er aber sehr schnell aufgehalten, da er für mehrere Wochen nach Thailand eingeladen wurde... irgendwann ist er aber dann doch zurück in die USA und ist dann binnen 40 Tagen von Utah nach Pacasmayo gefahren. Da dachten wir uns mal wieder: "Krass! Irgendwie sind alle hier auf die ein oder andere Weise extremer unterwegs als wir!" Manche geben alles auf, verkaufen ihr Haus und sagen DANN allen Freunden und Verwandten, dass sie jetzt ein Jahr lang um die Welt reisen. Andere bringen ihr Motorrad auf kleinen Booten über den Amazonas nach Peru und wieder andere werden einfach mal nach Thailand eingeladen...

Guido "Fellow of the road"

Ich schweife ab. Was war bei uns so los? Zusammen mit Guido wollten wir von Pacasmayo aus in Richtung Huaraz fahren. Da Guidos XR aber leider nicht mehr ganz fit war (die Kette, die er in Súdamerika als Ersatz bekommen hat hat sich gedehnt wie ein Gummiband und das Ritzel sah dementsprechend leicht mitgenommen aus), hat er leider die letzte Schotterpassage nicht mitmachen können und ist direkt nach Lima gefahren, um sein Bike dort auf Vordermann zu bringen. (Der Polizist an der Kontrollstation kurz vor der Piste hat uns auch nicht gerade Mut gemacht: "Ihr wollt mit den Motorrädern da fahren?! Das ist aber sehr schwierig" und so weiter... Die Strecke war in Wirklichkeit aber vollkommen ok (Schotter eben) und nur die (unbeleuchteten) Tunnel haben den Puls erhöht. Christina ist spontan dazu eingefallen "FEAR OF THE DARK!" Ohne Hupe und Licht sollte man diese wohl eher nicht fahren, obwohl sich der Verkehr auf dieser Strecke auf vielleicht insgesamt 10 LKWs beschränkt. Übernachtet haben wir dann in einem kleinen Dörfchen, dessen Namen ich mir nie merken kann (Yuarmarca?!? Yurcamarca?). Hier sollte es ein Hostal geben und eine Tankstelle, die 90 Oktan-Sprit verkauft. Also haben wir eine Verkäuferin auf der Strasse gefragt, wo das Hostal ist und ob das mit dem Sprit stimmt. Dabei kam heraus, dass wir direkt vor dem Hostal standen und beides, sowohl Hostal als auch Tankstelle ihr gehören (Quasi ein Monopol)...
Das Zimmer war wohl das schlechteste bis jetzt, aber trotzdem nicht gerade billig für Peru. Wie gesagt, die Frau war geschäftstüchtig und wenn dann zwei Gringos kurz vor Nachteinbruch ein Zimmer brauchen, dann kostet ein ziemlich schäbiges Zimmer auch mal 20 Soles...

Da fühlt man sich doch wie daheim (fast)...

Am nächsten Tag ging es deswegen dann auch ohne Frühstück schnell weiter nach Huaraz. Das Frühstück haben wir mit leckeren Kaffeestückchen in Caraz nachgeholt. Leider war die Strecke nicht ganz so schön wie wir erhofft hatten, da das Wetter nicht mitspielte. Eigentlich dachten wir, dass die Cordilliera Blanca links und die Cordillera Negra rechts zu sehen sein würden, aber die beginnende Regenzeit in den Anden hat uns dieses Panorama mit dicken Wolken verdorben.

Huaraz

In Huaraz quartierten wir uns bei Fernando im Hostal Alfredo ein. Fernando ist Maschbauer und hat das Hostal erst seit 2 Monaten (und einen witzigen Gärtner, der ganz begeistert von den "Gringos simpaticos" war). Da Fernando sein Hostal noch ein bisschen besser vermarkten will, hat Alex ihm noch ein paar Tipps zum Erstellen von Flyern und Flashvideos gegeben.
Sehenswert in der Nähe von Huaraz (welches selbst eigentlich nicht sehenswert ist) waren die Ruinen von Chavin (1000 v. Chr.), zu denen wir über einen Viertausender-Pass gelangten- mit ein paar Regenschauern und ohne Regenklamotten. Dort waren wir für die einheimischen Chicos und Chicas die grössere Attraktion als die Ruinen, denn alle wollten unbedingt Fotos mit uns machen... am besten alle 25 oder so einzeln.

P1010434

In Chavin haben wir noch ein australisches Pärchen getroffen, das wie wir unterwegs ist- nur dass ihre Zweiräder keinen Motor haben (Respekt!).
Nach zwei Übernachtungen bei Fernando wollten wir aber weiter, denn erstens wollten wir Guido noch in Lima treffen und zweitens wollten wir an einen sonnigen Strand. Also auf nach Lima! Auf dem Weg dorthin (bzw. Barranca) machten wir dann trotz schlechten Wetters noch einen Abstecher zu den Puya Raimondis. Das sind Ananas-Gewächse, die über 10 Meter hoch werden können. Diese krassen Pflanzen fangen meist nach 50 bis 75 Jahren zu blühen an und sterben dann nach einmaliger Blüte ab. Einige Puyas werden sogar über 100 Jahre alt. Die 8000 bis 10000 Blüten werden übrigens vom possierlichen Grünkopf-Andenkolibri bestäubt.

Puya Raimondii und Alpi

Bis Lima schafften wir es dann aber an einem Tag doch nicht, weshalb wir uns in einem Hostal in Barranca einquartierten und die Mopeds direkt nebenan in einem Gasflaschen-Lager. Die freundliche Inhaberin des Geschäfts liess extra für uns einige Gasflaschen wegräumen, weil die Motorräder nicht wie geplant im Hof geparkt werden konnten (denn sie passten nicht durch die Hintertür).
Wieder zurück am Meer wollte Chrissa unbedingt mal wieder Camarones essen gehen. Wir fanden auch ein nettes Restaurant, was durch zu klein geratene Portionen allerdings enttäuschte (bei satten Preisen). Also nahmen wir uns ein Mototaxi zur Placa de Armas und gingen in einen Burger- und Cocktailladen nochmal "richtig" essen (1 Burger und 1 Schnitzel). Ziemlich verfressen, aber das Schnitzel hat Chrissa dann doch nicht ganz gepackt.
Der Weg von Barranca nach Lima (und auch weiter richtung Nazca runter) war eigentlich nur Wüste (hatte das gar nicht so wirklich erwartet... der ganze Sand..). Alex fand es trotzdem schön, und die Landschaft war auch wirklich eindrucksvoll. Wenn nicht die ganzen ätzenden Hühnerfarmen wären. Das muss an dieser Stelle wirklich einmal beschrieben werden, finde ich, denn ich war echt ziemlich schockiert. Weshalb auch kein "Pollo" mehr in Suedamerika auf meinen Teller kommt. Man muss sich das wirklich mal überlegen: Mitten in der heissen Sandwüste, weit weg vom nächsten Dorf oder der nächsten Stadt stehen diese Zelte: Rundum fast völlig mit Planen zugehängt und vollgestopft mit Hühnern. Und dann dieser erbärmliche Gestank... Irgendwie beschämend. In Deutschland gibt es wahrscheinlich fast die gleiche Massenhaltung, aber die Auslagerung mitten in die Wüste hatte so was von einem Gefangenenlager...

Hühnerfarm in der Wüste

Lima

Wie bereits erwähnt, wollten wir in Lima Guido wieder treffen. Ausserdem brauchten wir so langsam mal ein paar Ersatzteile wie zum Bespiel ein neues Visier für meinen Helm und neue Hinterreifen, da diese auch stark an Profil verloren haben. Der ursprüngliche Plan war, sich mit Guido in Verbindung zu setzen, um möglicherweise im selben Hostal unterzukommen. (Natürlich hofften wir auch, von Guido und seinem ansässigen Freund Ucho etwas Hife beim Einkaufsbummel zu bekommen, denn in einer 10 Millionen-Einwohner-Metropole kann es schon schwierig sein, sich zurechtzufinden...). Da wir die beiden aber nicht erreicht haben (und sie uns auch nicht, da Handynummern in Peru noch eine Ortsvorwahl benötigen), sind wir kurzerhand in "Los Olivos", einem Vorort von Lima, geblieben und haben uns alleine auf die Suche nach Motoröl gemacht. Jetzt mag einer denken: "Was ist daran so schwierig? 10W40 gibts doch überall!" DENKSTE! In Peru gibt es für Motorräder nur 20W50. Nachdem wir also bei uns in der Gegend alles abgeklappert hatten, wussten wir immerhin, dass es im Stadtteil Miraflores (einer der sehr wohlhabenden Stadtteile) sowas zu kaufen gibt. Naja, ein bisschen Zeit hatten wir ja noch bis es dunkel wird und auf der Panamericana kommt man ja bestimmt auch schnell voran... nochmal: DENKSTE! Die Panamericana ist hier zwar dreispurig (was bedeutet, dass teilweise in 4 Spuren gefahren wird), aber da immer wieder diese lästigen Microbusse an der Seite anhalten und auch ab und zu mal ein LKW auf der mittleren Spur liegen bleibt, ist das Vorankommen auf dieser Schnellstrasse vergleichbar mit Stadtverkehr inklusive vielen Ampeln. Deshalb war es dann auch schon dunkel als wir zu zweit auf der Alpi Miraflores erreichten. Gefunden haben wir dann natürlich auch nichts mehr. Dafür durften wir durch den Feierabend-Stadtverkehr dann zurück zum Hotel fahren. Insgesamt haben uns diese maximal 60 Kilometer etwas mehr als drei Stunden und unglaublich viele Nerven gekostet. (Im Vergleich zu Lima ist Guayaquil eine verkehrsberuhigte Zone! Todos loco!) Um uns noch mehr Fahrerei in Lima zu ersparen, sind wir am nächsten Tag nach Barranco gleich neben Miraflores umgezogen und von da an Taxi gefahren. Jetzt konnten wir uns wenigstens auf die Suche konzentrieren. Motoröl haben wir dank der Touristeninformation auch sehr schnell gefunden, bei der weiteren Suche wurden wir dann jedoch erstmal zu einem kleinen "Laden" (ein Haus mit grossem Tor und ohne Schild) geschickt. Dort gab es aber nur Hilfsmotoren für Fahrräder! Zum Glück wusste der nette Besitzer aber wo man so ziemlich alles für grosse Motorräder bekommt.

An alle Motorradfahrer in Südamerika:
To all bikers in Southamerica:
  • Barbacci Motos; Av. Petit Thouars #4324; Miraflores (Lima): Hier gibt es alles was das Motorrad begehrt! Everything you need for your motorbike!
  • Direli; Calle Victor Alzamora #325; Miraflores (Lima): Alle möglichen Pirelli-Reifen auf Lager! Nearly all types of Pirelli-tires are in stock!
  • Öl (10W40 von Motul für Motorräder) gibt es am Ende der Av. Republica de Panama in Miraflores. You can get oil (10W40 for motorbikes from Motul) at the end of Av. Republica de Panama in Miraflores.

Ersatzteile aus Lima (selbstbesorgt!)

Bei diesen Läden sind wir fündig geworden, so dass wir am nächsten Tag endlich den ölwechsel machen und die Motorräder pflegen konnten. Guido und seinen Kumpel habe wir trotzdem leider nicht treffen können. Doch dafür haben wir Steve, einen Kiwi-Jazz-Drummer (aus Neuseeland), getroffen, der seit zwei Jahren in Lima wohnt und vorher auf Kreuzfahrtschiffen gespielt hat. Er hat uns dann spontan zu seinem Konzert am Abend eingeladen. "Shamaniac" war der Titel für die Mischung aus Peruanischen Motiven mit Jazz-Musik. Stattgefunden hat das Konzert übrigens in San Isidro, dem wohlhabendsten Viertel in Lima. Hier kann man sogar spät nachts ruhigen Gewissens durch den Park "Los Olivos" gehen, wenn man sich nicht an dem halben Dutzend Brautpaaren stört, die dort ihre Hochzeitsfotos machen. Das Konzert war wirklich Spitze und das nicht nur, weil wir auf der "VIP-Liste" waren und nichts bezahlt haben. Nach dem Konzert haben wir uns noch ein bisschen die Fotos in der zum Theater gehörigen Galerie angeschaut.

Steve - The Kiwi-drummer

Dann hatten wir aber doch genug von Lima... und was dann passierte, das erfahrt ihr beim nächsten Mal ;)

Mittwoch, 25. November 2009

Zeitmangel...

...hallo liebe Blogleser. Leider sind wir die letzten Tage nicht dazu gekommen einen Bericht über das Erlebte zu schreiben. Auch heute sind wir nur kurz online, da wir nach einer kalten und verregneten Fahrt von der Wüste in die Berge (Wüste heiss und trocken, Berge kalt und nass) nun ganz schnell in unsere warmen Schlafsäcke müssen. Sonst heisst es beim nächsten Mal: "Nix Neues! Immernoch krank!"

Zur überbrückung gibt es hier ein paar Bilder der letzten Tage...

Sind jetzt übrigens auf dem Weg nach Cuzco...

Samstag, 14. November 2009

Freunde in Chachapoyas

Weiter ging es nach Tingo in der Nähe von Chachapoyas... zumindest war das der Plan. Eigentlich sollte es schon früh losgehen, aber leider war die Strasse nur zwischen 11:40 und 12:30 befahrbar (Mittagspause der Bauarbeiter). Also mussten wir zwangsläufig ,denn eine Umleitung gab es auch nicht. Zwischewndurch gab es dann auch noch Stau (siehe Bild), ansonsten war die Strecke aber sehr gut, so dass wir um halb zwei schon in Chachapoyas waren.

Stau in Richtung Chachapoyas

Mitten auf dem zentralen Platz wurden wir dann von einem französischen Päarchen angesprochen, die zu zweit auf einem "Eisenschwein" (DR650) von Französisch Guayana unterwegs sind. Spontan liessen wir uns von Ludo und Gwenn dazu "überreden" in Chachapoyas zu bleiben und quartierten uns im selben Hostal (Hostal Kuelap) ein. Die beiden haben übrigens für eine solche Tour die beste Berufskombination: Mechaniker und Krankenschwester!

Ludo und Gwenn

Am nächsten Tag stand für uns vier dann etwas Kultur auf dem Programm. Über gewundene und schöne Schleichwege (schleichen kommt in diesem Fall von "langsam fahren") ging es über Tingo zu den Ruinen der befestigten Stadt Kuelap. Wir schlenderten durch die zum Teil gut erhaltenen Ruinen der Stadtmauer und der meist runden Häuser und trafen sogar einen Guide, der uns freundlicherweise in seiner Gruppe mit aufnahm.

Info zu Kuelap:
Die Stadt mit ca. 2500 Einwohnern wurde von den Chachapoya ("Wolkenkrieger") zur Inkazeit erbaut und von den Spaniern nie erobert, was an der geografischen Lage liegt. Die Inkas hingegen eroberten die Stadt sehr wohl und unterwarfen die gefürchteten grossen Krieger (sie waren tatsächlich grösser als die Inkas). Allerdings leisteten die Chachapoya immer wieder erheblichen Widerstand und waren sehr aufständisch. Ausgestorben ist die Stadt durch von Spaniern mitgebrachte Erreger, gegen die das Immunsystem der Einwohner wohl nicht gewachsen war...

Motorradfahrernachwuchs

Auf dem Rückweg (um ca 15:00 Uhr, nur ein Frühstück) ging dann leider das Federbein von Ludos DR kaputt (Das Öl lief aus), was aber die Laune der beiden Abenteurer nicht trübte (Respekt!). Auch Christinas DR machte wieder einmal seltsame Geräusche und meine Alpi lief auch nicht mehr so wie ich es von ihr gewohnt war. Wir gingen an diesem Abend also gut gelaunt ein paar Bierchen schnappen und haben Motorräder Motorräder sein lassen. Am nächsten Tag stand dann eine grössere Reinigungs- und Instandsetzungsaktion auf dem Programm (Anmerkung: Bei den Strassen- bzw. Pistenverhältnissen mit dem ganzen Staub und Dreck hier sind wir inzwischen vernünftigerweise dazu übergegangen, den Luftfilter und die Kette alle zwei Tage gründlich zu reinigen und diverse bewegliche Teile und Züge wirklich regelmässig zu fetten. Ansonsten hält unser Material wahrscheinlich nicht durch...).
Die anderen beiden haben sich daran gemacht, Ersatzteile zu ordern. Glücklicherweise haben sie einen guten Händler in Frankreich, der ihnen ein Reparaturkit kostenlos zuschickt. Auch für die stärkere Feder und das neue Öl, welches man hier nicht bekommt, müssen sie nur einen Spottpreis bezahlen. Einziger Haken an der Sache: 10 Tage warten, Werkzeug anfertigen lassen und hoffen, dass man die Reparatur hinbekommt ( normalerweise 30 Tage Einarbeitungszeit bis man soweit ist, ein Federbein zu reparieren). Aber (Zitat Ludo) "We have the time!"

Bastelarbeiten

Nachdem unsere Motorräder wieder fit waren sind wir allein zu den Sarkophagen von Karajia gefahren. Da unser Hostelvater gemeint hat, dass man mit den Motorrädern dorthin fahren kann, haben wir das auch versucht. Nach ein paar Hundert Metern in schwerem Gelände kamen dann aber doch Zweifel bei uns auf, ob wir ihn auch wirklich richtig verstanden hatten (mangelde Spanischkenntnisse). Schliesslich liessen wir die Mopeds einfach stehen (wer sollte sie hier schon klauen) und gingen die letzten 500 Meter zu Fuss weiter. Zuerst hatten wir die Skulpturen in der Felswand gar nicht gesehen und sind direkt darunter durchgelaufen. Als der Weg aber dann zu Ende war, drehten wir uns noch einmal um und siehe da: Sarkophage in der Felswand über uns! Wie sie dahin gekommen sind, können wir uns nicht erklären, aber sie haben von dort oben sicherlich einen herrlichen Ausblick auf das Tal.

Sarkophage von Karajia

Um die Mopeds schliesslich wieder diese paar Hundert Meter zurück zu bringen, brauchten wir etwa eine Stunde, viel Schweiss und später auch eine neue Werkzeugbox für Alex (Motorrad sass auf einem Erdhügel auf, so dass das Hinterrad in die Höhe kam und sich um einen Meter in den Graben versetzte und zur Folge hatte: "Mi Tubo es roto!"). Die neue Werkzeugbox ist nun eine schwarzglänzende Damenhandtasche. Fast so schön wie die pinke Werkzeugbox von Ludo (aber nur fast).

Am Morgen danach ist Alex dann um 6 aufgestanden und hat seinen Motorschutz ausgebeult, so dass es weiter in Richtung Cajamarca gehen konnte. Nachdem wiederum längeren Aufenthalt in Chachapoyas haben wir nun beschlossen, mal ein bisschen mehr Kilometer zu machen. Durch die Strassenverhältnisse und die Tatsache, dass wir einfach nicht zum früh aufstehen geboren sind, wird das aber nach wie vor erheblich erschwert. Deswegen schafften wir es auch nicht ganz bis Cajamarca, sondern nur bis Celendin. Da wir unterwegs noch eine Panne hatten (der Kupplungszug der Alpi ist gerissen, als Ausgleich bekamen wir eine Melone von einem Bauern geschenkt) war es auf den letzten 30km auch schon dunkel. Doch im Licht unserer Scheinwerfer konnten wir trotz Nebel die Vogelspinnen auf der Strasse (6 Stück auf 20 km) noch erkennen. Alex starb 1000 Tode!

In Cajamarca taten wir uns schwer, eine Unterkunft nach unseren Preisvorstellungen zu finden. Als dies geschafft war, bekamen die Mopeds mal wieder eine Wäsche verpasst (bei der Christinas Blicker abriss und ihre Armaturen unter dem mit Hochdruck hineingespritzten Wasser litten). Am nächsten Morgen gönnten wir uns ebenfalls ein erholsames Bad in den "Baños del Inka", wo auch schon Atahualpa seine Wunden aus dem Bruderkrieg im schwefeligen Thermalwasser ausgeheilt hat.Das Wasser ist 71 Grad heiss und wird mit kaltem Wasser vermischt ins Bad eingelassen. Wir hatten ein Privat-Baños mit dem Namen "Imperial".
Ausserdem haben wir uns in Cajamarca noch den Raum angeschaut, den Atahualpa mit Gold hat füllen lassen (geschätzter Wert allein des Goldes ca. 85 Mio. Euro) um seine Freiheit zu erkaufen (hat nix genutzt, denn er wurde auf dem Plaza de Armas von den Spaniern unter Pizarro erdrosselt). Auch der Ausblick auf die Stadt vom "Thron der Inkas" (hier hatte sich Atahualpa angeblich huldigen lassen) durfte nicht fehlen. Auffällig war dabei, dass der Berg, ein Präinka-Heiligtum, auch gleich mit einem grossen Kreuz und einer kleinen Kapelle christianisiert wurde.

Schwefelquellen von Baños del Inka

Heute sind wir in Pacasmayo an der Panamerikana. Hier an der Küste ist es ziemlich windig. Da wir morgens noch einkaufen waren (wir haben einen Zündkerzenschlüssel gesucht - unserer ging auf der Schotterpiste verloren - und ein paar andere Kleinigkeiten) und auch noch ein Internetcafe besuchten, geht das Kilometerfressen wohl erst morgen los...

Fotos gibt es wieder bei Flickr.

Mittwoch, 4. November 2009

Auf in Richtung Grenze...

Unser Frühstückscafe in BañosChristian und seine neue Kawasaki

Von Baños aus ging es nach 5 Nächten und einigen schönen Erlebnissen weiter in Richtung Peru. Christian, der in Baños ein schönes Hostel hat und bei dem wir auch schon das Pferdetreking gemacht haben, gab uns noch einige Tipps, wo wir langfahren könnten (Danke!). Die Tipps stammen zum Teil von ihm selbst als passioniertem Motorradfahrer und von anderen Motorradfahrern, die bei ihm übernachtet haben. Nach einem letzten Frühstück in unserem Lieblingscafe "Rico Pan" (die nette Inhaberin(?) hat uns sogar zum Abschied noch ein kleines Reiseproviant geschenkt und viel "suerte" gewünscht) und einigen "Fototerminen" (wir - oder wohl eher unsere Motorräder - sind immer wieder ein beliebtes Motiv bei Einheimischen) ging es los in Richtung Puyo und Macas (Amazonien), wobei uns Christian noch auf seiner neu erstandenen Kawasaki begleitete (Helmkameravideo kommt bald). So heiss wie dieser Name Amazonien schon klingt, war es auch... oder eher noch heisser! In den Motorradklamotten fühlten wir uns wie in Bratschläuchen, aber die Landschaft und die gesamte Strecke war wunderschön.
(Hier war natürlich Moskitoschutz angebracht: Deet und Moskitonetz. Ausserdem lege man Nachts eine Chrissa neben sich, falls doch mal eine Mücke schmausen will ;).... wenn, dann wird immer nur sie gestochen.)

Unterwegs haben wir noch Kommando - auch ein Schäferschatz.....KING :( ... - und sein Herrchen getroffen (oder umgekehrt). Sie haben einfach mal neben uns angehalten und mit uns geplaudert und uns viel Glück gewünscht. Wegen der Hitze haben wir ganz vergessen, nach dem Namen zu fragen, aber immerhin wissen wir, dass Kommandos Herrchen ein Hostal in Puyo aufbauen will. Wenn dies nur halb so schön wird, wie er nett ist, dann kann man es jetzt schon nur empfehlen. Und für Motorradfahrer wahrscheinlich noch empfehlenswerter, da er auch leidenschaftlicher Biker ist.

Commando und sein Herrchen

Geplantes Ziel des Tages war eigentlich Cuenca, doch da wir auch ca. 2 Stunden an einer Baustelle warten mussten (gefühlter Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen: 2 Liter), obwohl sie sagten in einer halben Stunde geht es weiter, kamen wir nur bis Limon. Glenda, mit der wir uns eigentlich in Cuenca treffen wollten, konnte leider auch nicht nach Cuenca kommen.

Das Hotel in Limon war so schön, dass ich am liebsten fast noch Nachts weiter gefahren wäre. (Chrissa fands nicht ganz so schlimm). Die Betrunkenen vom Dorffest sind gröhlend und schlägernd an unserem Hotel vorbei gezogen und haben sich letztendlich sogar in den Flur verirrt, da die Hoteltür offen war. Alles ziemlich blöd, denn beim Preis wurden wir auch abgezockt.

Früh am nächsten Morgen ging es dann endlich weiter. Jeder bekam noch schnell ein halbes Brötchen mit Marmelade als Frühstück und dann kamen - noch vor dem Mittagessen - 70km Schotter-"Passage" nach Cuenca. Kurz vor Cuenca gab es dann an einem Strasenrestaurant unser Allerheiligen-Mittagsmenü: Spanferkel!

Anmerkung:
Während in Deutschland an Allerheiligen gebibbert wird, wird in Ecuador bei 30 Grad Spanferkel gegrillt und mit der ganzen Familie unter Palmendächern verspeist. Durchaus eine Art zu feiern, die man auch mal in Deutschland einführen könnte... Ups! Bei euch hat es ja sogar schon geschneit (zumindest in Bayern)...

Der Grillmeister

Nach dem köstlichen Mahl sind wir durchgefahren bis Vilcabamba. Wir wollten zwar nicht im Dunkel fahren, aber die letzten 20 Minuten sind wir einfach dem örtlichen Bus hinterher gefahren (mit allen Zwischenstopps, ca alle 300m), weil: 1. Der kennt den Weg nach Vilcabamba und 2. Wie die Raiffeisen und Volksbanken macht er den Weg frei! Das ist im Dunkeln besonders von Vorteil.

Den Track dazu findet ihr hier.
Da die Hosteria "Izhcayluma" so wunderschön war, blieben wir dort auch gleich 4 Tage. Nach einem Tag Entspannen, feierten wir Alex´ Geburtstag: 6 Stunden Pferdetrecking (hatte er sich aber selbst ausgesucht) und eine Stunde Wandern im Nebelwald. Beim Aufsteigen auf das Pferd "Sultan" ging morgens gleich als erstes Alex´ Jeans im Schritt kaputt (Er hielt das Reiten trotzdem 6 Stunden lang durch. Das Galoppieren klappte auch besser). Aber der Trab war dennoch ziemlich schwierig. Denn in Ecuador reiten echt alle einen extrem schnellen Trab (und auch Schritt), was total unbequem ist. Durch ein ziemlich hartes Gebiss und gleichzeitig ordentlichen Sporengebrauch nimmt das Pferd dann eine ziemlich einzigartige Haltung und Bewegungen an.
Nach diesem anstrengenden (Geburts)Tag fehlte Alex abends fast (aber nur fast) die Motivation, noch zur Massage zu gehen, die ich für ihn zum Geburtstag gebucht hatte. Er legte sich deshalb mal schön gemeinsam mit dem Hund "Kafu" in die Hängematte zum Entspannen.
Schliesslich schaffte ich es dann noch, einen Kuchen zu organisieren, der extra von der Küche gebacken und nach dem Abendessen mit Geburtstagsständchen serviert wurde... (Er war leider zu schnell weg, um ein Foto zu machen)

Schliessloch schafften wir es dann doch, uns von Vilcabamba loszureissen und Christians Route Richtung Peru zu nehmen. Da sie (einzige!!!) Tankstelle auf dem Weg kein Benzin mehr hatte, kamen wir nach endlosem Schotter und beiderseits einem kleineren Hinfaller mit Ach und Krach über die Grenze zur nächsten "Tankstelle", wobei die Abwicklung an der Grenze relativ unprobnlematisch war: in 1,5 Stunden erledigt - inklusive Desinfektion der Motorräder (hä???).
Die Tankstelle war eine Fässertankstelle, versteckt in einem Lebensmittelgeschäft, wie wir sie wahrscheinlich noch oft benutzen werden (immerhin gab es 90 Oktan Benzin!). Zum Glück haben wir beide einen zusätzlichen Spritfilter...

Kafu und Alex

Jetzt sind wir also in Peru. Hier ist alles ausser der Sprit irgendwie noch billiger und die Strassen waren zunächst mal unter aller Kanone: Von Geröll über extreme Längsrillen hin zu medizinballgrossen Löchern. Und zur Abwechslung auch Sand oder Flussfurten - damit es auch nicht zu langweilig wird. So macht Schotterfahren keinen Spass...
Nach einer Übernachtung in Sann Ignacio kam heute aber der erste Teer kurz vor Jaén. Die Nord-Süd- Longitudinales sollen angeblich geteert sein (wir werden sehen, schön wärs).
In San Ignacio haben wir unseren Motorrädern eine professionelle Wäsche gegönnt, wobei wir zum Anziehuingspunkt der ganzen Mofa-Rikscha-Fahrer wurden, die unsere Motorräder bestaunten. Von einem der Fahrer bekamen jeder von uns sogar zum Andenken an San Ignacio in Peru noch ein Armbändchen geschenkt... (Gracias!)

José y amigos en San Ignacio

Und wie es weitergeht, erfahrt ihr im nächsten Teil der Geschichte...

Bilder
Tracks: Limón-Vilcabamba, Vilcabamba-San Ignacio, San Ignacio-Jaén.

Freitag, 30. Oktober 2009

Von Quito nach Baños

Von Quito sind wir am Sonntag aufgebrochen in Richtung Cotopaxi, um dort im Nationalpark auf einem Campingplatz zu zelten. Da wir den Verkehr in Quito und vor allem die mangelnde Beschilderung dort etwas unterschätzt hatten, kamen wir erst zur Dämmerung am Cotopaxi an und mussten uns dann eben so ein ruhiges Plätzchen suchen, wo uns niemand findet. (Der Einlass schliesst um 16Uhr!).
Ruhig war es allerdings nicht, da irgendwelche Vögel die ganze Nacht komische Geräusche von sich gaben (Für die Grundschullehrer: Klingt wie wenn man Klanghölzer schlägt.)
Dementsprechened etwas gerädert ging es dann am nächsten Morgen daran in den Park zu fahren. Doch auch die erste Wasserdurchfahrt hat sich nicht gelohnt, denn: "No ingreso en motocicletas!" Da wir die Mopeds aber auch nicht am Eingang so ganz alleine stehen lassen wollten, brachen wir leicht deprimiert in Richtung Baños auf.

Cotopaxi (höchster aktiver Vulkan der Welt)

Eine gute Entscheidung, denn die Strecke dorthin ist eine der schönsten Motorradstrecken in ganz Ecuador (so gut wie kein Verkehr, neue Fahrbahn, viele Kurven, schöne Landschaft). Leider hat Alex ein falsches Kabel für die Helmkamera mitgenommen, so dass wir nicht filmen konnten (Problem ist mittlerweile aber behoben, so dass wir bald mal ein Helmkameravideo veröffentlichen werden...).

Mittlerweile sind wir hier schon 4 Tage im Hostal "Princesa Maria" oder "Backpacker's Paradise" einquartiert. Das Hostel ist wirklich toll und die Familie, die es leitet, sehr freundlich. (Ausserdem ist es preiswert: 6$p.P./Nacht).
Von Baños aus kann man viele tolle Ausflüge in die nahe Umgebung machen. So haben wir eine kleine Bergwanderung nach Ventanas gemacht. Von dort aus hat man einen schönen Blick auf den immernoch ab und zu ausbrechenden und rauchenden Vulkan Tungurahua. (Letzter Ausbruch 2006). Nach dieser Tour waren wir jedoch etwas geschafft, so dass wir froh waren, Al und Ruth zu treffen. Die beiden haben uns dann gütigerweise auf der Ladefläche ihres gemieteten Jeeps mit nach unten genommen. Da wir abends dann nicht mehr aufstehen konnten haben wir die beiden leider versetzen müssen. (Hi Al and Ruth. We are really sorry for that!)
Videokommentare zu den verschiedenen Abschnitten des Aufstiegs findet ihr hier: Erster Teil, Zweiter Teil und am Ziel.

Schön wenn man oben ist!

Am nächsten Tag sind wir vormittags Raften gegangen. Die Ausrüstung und Anleitungen der Guides waren echt gut und unsere Steuermänner hatten alles im Griff. Einzig beim Sprung aus 4 Metern in ein Flussbett (musste natürlich mal wieder sein) hat sich Christina etwas das Knie geprellt. Hier gibt es ein Video dazu.

Ob das gutgeht?

Am Tag darauf hat sich Alex dann überreden lassen, auf ein Pferd zu steigen, um einen dreistündigen Reitausflug (mit Guide und so) mitzumachen. Nach 50 Metern wurde bereits galoppiert, was für Alex (verständlicherweise) etwas zu viel war, da zudem die Steigbügel zu schmal für seine Quadratlatschen waren. (Kommentar Alex: Wenn man nicht weiss, wie man richtig auf dem Pferd sitzt beim Galopp, dann kann das die Kronjuwelen in arge Bedrängnis bringen! In sehr arge sogar!)

Jeeehaaa!

Abends kochte ich dann die Camarones (Shrimps), die wir zuvor gekauft hatten. Mir gings danach immer noch gut, aber Alex hatte wohl ein oder zwei erwischt, denen es in seinem Magen nicht gefallen hat und die dann dringend wieder raus mussten... egal wie (sehr Mitleid erregend). Kommentar Alex: "In Baños muss man mal eine ganze Nacht auf dem Baños verbringen!"
Deswegen war heute ein müder Tag, den wir mit dem Auskurieren unserer Wehwehchen verbracht haben. Natürlich fällt an so einem Tag dann auch noch der Strom aus, wenn man schon Kabelfernsehen mit echt guten Spielfilmsendern (z.B. TNT, gesprochen "Dääennedää") hat.
Morgen gehts dann (hoffentlich) weiter. Unsere Vergaser haben wir mittlerweile den Höhenverhältnissen angepasst (Wie auch die Ecuadorianer mit ihren Autos immer Alto-Bacho-Alto-Bacho usw. fahren, schliesslich geht es hier ständig hoch und runter, stellen sie ihren Vergaser auf Medio ein).

Weitere Bilder gibt es hier und die GPS-Tracks sind hier und hier zu finden.